09. Oktober 2020

In den Startlöchern in Kenia

In Kenia erhalten gleich vier neue Projekte eine Förderung durch Stay. Die Liste der Anwärter war lang, die Liste der Anforderungen aber auch. Überzeugt haben Projekte mit Nachhaltigkeit.

Erstmals vergab die ANGAZA Stay Alliance Kenia Fördermittel für Projekte ihrer Mitgliedsorganisationen. Doch welche sollte sie wählen? Dem zuständigen Fachkomitee der Stay Alliance und seinem Leiter, Festus Juma, half ein ganzer Prüfkatalog bei dieser schwierigen Entscheidung. Das Komitee nahm die Bewerber-Organisationen genau unter die Lupe und prüfte ihre Organisationsstrukturen und das Vorhandensein von Richtliniendokumenten, wie beispielsweise zum Kinderschutz oder zu Genderthemen. Daneben prüfte es, ob die Bewerber bereits Förderungen erhalten hatten und ob ein überzeugender Businessplans vorliegt, der ein Monitoring und eine sachgerechte Erfolgsbewertung ermöglicht. Die Stay Alliance hat sich also viel vorgenommen und die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht.

Dabei ist gründliches Aktenstudium nur eine Sache. Eine ganz andere ist es, die Projekte und ihre Macherinnen und Macher leibhaftig kennenzulernen. Genau dafür schauten Festus und seine Kolleginnen vor Ort vorbei und unternahmen sogenannte Feldbesuche. Festus weiß, worauf es ankommt, schließlich ist er mit seiner Organisation Society Empowerment Project selbst ein gestandener Sozialunternehmer. Und doch sagte er: „Auch ich lerne bei jedem Feldbesuch dazu.“ Und Lerneffekte gibt es auf beiden Seiten. Susan Kariuki von NutriFoods, einer der Bewerberorganisationen, sagte: „Ich bin immer dankbar für den Austausch mit ANGAZA, weil ich aus ihrer Evaluation immer etwas lerne.“

Tatsächlich haben die Besuche einen großen Eindruck gemacht -und die Entscheidung über die Förderung noch einmal gedreht.

Pilze siegten im Foto-Finish

Und diese Entscheidung hätte am Ende nicht knapper ausfallen können: Um nur 1% unterscheidet sich die Gesamtwertung des Erstplatzierten RODI (Resources Oriented Development Initiatives) von dem von C-MAD (Community Mobilization Against Desertification).

Bei RODI dreht sich für ein Jahr alles um die Pilzzucht. Frische Pilze können eine wichtige Rolle bei der Versorgung des Körpers mit Eiweiß und den Vitaminen der B-Gruppe spielen. Sie enthalten viele Mineralstoffe, besonders reich sind sie auch an Phosphor, Kalium, Selen und Kupfer.

Das Projekt umfasst nicht nur Trainings in der Pilzzucht, sondern auch die Organisation von Pilz-Kochtagen und die Vermarktung der Produktion. Das ganze Projekt kann nun deutlich ausgeweitet werden. Zielgruppe sind Jugendliche, körperlich Behinderte und Menschen im Ruhestand oder kurz davor.

Beim Zweitplatzierten C-MAD geht es um den Einsatz neuer Technologien und moderner Arbeitsmethoden beim Anbau von afrikanischem Blattgemüse. Wer sich damit auskennt, kann sich und seine Familien erstens sicherer ernähren und zweitens auch gesünder. Der Verkauf der Produktion erhöht drittens das Familieneinkommen. Drei gute Gründe für die rund 600 Frauen und 150 Jugendlichen, die nun gemeinsam kommerzielle Gemüsegärtnereien und Küchengärten einrichten werden, Ernte und Gemüsesaatgut verkaufen lernen und den Anbau mit verbesserten landwirtschaftlichen Technologien kennen lernen.

And the winner is…Africa!

Zwei weitere Projekte erhalten eine Förderung. Der Drittplatzierte INYAMANDU hat sich die Erhöhung des Einkommens um 50% auf die Fahnen geschrieben. Profitieren sollen vor allem Menschen, die Landwirtschaft bereits auf kommerzielle Weise betreiben oder aber betreiben wollen, Jugendliche mit fehlendem Zugang zu Bildung und Witwen, die sich um Waisen und Menschen mit Behinderung kümmern. Sie alle werden mit Basissaatgut ausgestattet, erhalten technische und betriebswirtschaftliche Unterstützung aber auch Training für die Verarbeitung, Verpackung und den Verkauf der Trockenfeldfrüchte.

Auch bei COSDEP (Community Sustainable Development Empowerment Programme) geht es um Ausbildung in ökologischen Landwirtschaftstechniken, Diversifizierung von Kulturen, Gewährleistung nachhaltiger Nahrungsmittel, Ernährungssicherheit und damit Verbesserung der Gesundheit. Die daneben erreichte Einkommenssicherheit verbessert auch den Lebensunterhalt für ausgewählte Gemeinden in Bibirioni. Das alles sind langfristig orientierte Ziele, die die Beteiligten dauerhaft aus Armut befreien helfen sollen.

Irina Ruoff, Projektmanagerin Kenia bei Stay, freut sich über den erfolgreichen Auswahlprozess: „Ich bin dankbar für den Einsatz des Komitees, besonders Festus Juma, und unseres Projektteams Anita Owiti und Beatrice Kwamboka. Ihre Professionalität und langen Arbeitstage im Feld zeigen mir, dass wir die richtigen Menschen an Bord haben. Asante sana (vielen Dank)!“ Wir werden die Projekte weiterhin beobachten und regelmäßig berichten.