11. Oktober 2019

Nicht jede Maßnahme in Afrika ist nachhaltig

Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe - RUHEPAI

Der Straßenrand wird flankiert von Schildern wie “48 km road donated by EU”, “Sponsored by Japan”, “Sweden-Development-Project”. Das sind nur einige der vielen entwicklungspolitischen Maßnahmen oder Großprojekte, um Afrika aus der Armut zu befreien und die Wirtschaft voranzubringen. Doch nicht jede Maßnahme in Afrika ist nachhaltig. Dabei gibt es einen Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung.

 

Maßnahmen und Großprojekte „en masse“

Jeder und jede von uns hat schonmal mit gutem Gewissen seine Winterjacke der Kleidersammlung überlassen. Die Kleiderspenden aus Europa und den USA sind eine von vielen Maßnahmen, die zu einer verbesserten Zukunft Afrikas beitragen sollen. Doch deine Winterjacke und die anderen in Massen abgegebenen Kleider werden in Afrika zu extrem billigen Preisen verkauft und sind deutlich günstiger als unverarbeitete Stoffe oder Baumwolle vor Ort. Aus diesen Materialien wird in Afrika selbst Kleidung hergestellt und durch die lokale Herstellung Arbeitsplätze geschaffen und Einkommen generiert. Doch wer kauft diese Kleidung, wenn es die günstigen importieren Kleiderspenden gibt?

Ein anderes Beispiel: Seit 2005 gibt es in Uganda die NGO RUHEPAI (Rural Health Promotion and Poverty Alleviation), die von der einheimischen Powerfrau Fredica Baguma gegründet wurde. In einer ländlichen Region unterstützt die Organisation Einheimische bei der Verbesserung der Landnutzung, beim Umweltschutz und der Ernährungssicherung. Zudem leistet sie Aufklärungsarbeit in Hygiene und dem Thema HIV/AIDS. Durch RUHEPAI können Menschen Einkommen generieren, medizinische Hilfe bekommen und eigenverantwortlich handeln. RUHEPAI ist ein eigenes Projekt, bei der die Einheimischen selbst für ihr Land die Entwicklungszusammenarbeit in die Hand nehmen.

Zwei verschiedene Beispiele mit dem gleichen Ziel: Beide Maßnahmen wollen Afrika aus der Armut befreien. Während das zweite Beispiel durch ein Projekt einer einheimischen Organisation die afrikanische Wirtschaft voranbringt, erreicht das Beispiel der Kleiderspenden das Gegenteil. Viele Maßnahmen verfehlen das geplante Ziel und bringen Afrika nicht aus eigener Kraft weiter. Mit Recht wird diese fehlende Nachhaltigkeit oder Afrikas Abhängigkeit von Großprojekten oder Entwicklungsmaßnahmen kritisiert.

Dabei gibt es Maßnahmen, die funktionieren, dank einheimischen Organisationen wie RUHEPAI. Diese Unternehmer verfolgen ihr eigenes Ziel, brennen für ihre Projekte und wollen für die Menschen in ihrer Heimat ein besseres Leben ermöglichen. Sie identifizieren sich voll und ganz mit ihren eigenen Projekten. Und sie kennen die Nöte und kulturellen Umstände in ihrer Heimat am besten. Deren Initiativen, davon ist die Stiftung Stay überzeugt, ist die Erfolgsformel für eine dauerhafte Wirksamkeit der Maßnahmen. In Afrika für Afrika.

Afrika und die Geschichte der tausend Maßnahmen

Afrika hat heute zwar seine Unabhängigkeit, aber das Potenzial der afrikanischen Wirtschaft war nach Ende der Kolonialzeit mehr als geschwächt. Die Startbedingungen für eine neue Entwicklung Anfang der sechziger Jahre waren bescheiden: Die Mehrheit der Menschen versorgte sich selbst, eine einseitige Wirtschaftsstruktur und keine gute Wirtschaftspolitik bereitete Afrika Schwierigkeiten bei der künftigen Entwicklung. Obwohl Afrika, damals wie heute, einen großen Pluspunkt in petto hat: Große Vorräte an landwirtschaftlichen, mineralischen und fossilen Rohstoffen. Trotzdem sind die meisten Länder in Afrika auf Importe von Maschinen oder Nahrungsmitteln angewiesen.

Daher rückten seit dem Ende der Kolonialisierung entwicklungspolitische Maßnahmen für eine rasche Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft in den Vordergrund. Mit Investitionen in die Landwirtschaft oder Strukturanpassungsprogrammen, um die Grundbedürfnisse der afrikanischen Bevölkerung zu decken, wurden im Laufe der Jahre verschiedene Entwicklungsstrategien verfolgt. Doch liegt die Entwicklung hierbei in den Händen anderer Länder, nur nicht in Afrika selbst? Die Gefahr der Abhängigkeit von diesen Ländern ist durch solche Maßnahmen groß.

Das ambitionierte Ziel 1 „der Agenda 2063“

Ende der achtziger Jahre fand zum ersten Mal die Diskussion der Nachhaltigkeit den Eingang in die afrikanische Entwicklungshilfe, ohne allerdings große Früchte zu tragen.

Heute ist Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit so aktuell wie nie zuvor. Die Konzepte der nachhaltigen Entwicklung beinhalten die Idee: Entwicklung statt Wachstum! Dabei muss der Fokus der Maßnahmen auf dem Potenzial Afrikas liegen: seinem Ressourcenreichtum, der kulturellen Vielfalt und dem innovativen Unternehmensgeist. 

Das Ziel 1 der „Agenda 2063“ der Afrikanischen Union ist es, dass Afrika „ein wohlhabender Kontinent mit den Mitteln und Ressourcen sein soll, seine eigene Entwicklung vorantreibt, mit nachhaltiger und langfristiger Verantwortung für seine Ressourcen.“

Mit Stay für eine nachhaltige Entwicklung

Wir bei Stay wollen dieses Ziel mitverfolgen und Afrika beim Erreichen dieses ambitionierten Ziels unterstützen. Wir fördern nachhaltige Maßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit, die den Menschen des globalen Südens auf Dauer Wohlstand, Gesundheit und Bildung garantieren. Wir fördern Sozialunternehmen wie RUHEPAI und entwickeln mit ihnen lokale Projekte und Programme, so dass sie Gesundheits- und Bildungsmaßnamen und einkommensgenerierende Projekte durchführen können und so die Entwicklung ihres Landes mit ihrem eigenen Potenzial vorantreiben - für eine Entwicklung, die bleibt.

 

Quellen: bpb, gtai

 

Autor

Jana Spall

Jana unterstützt das Stay-Team für sechs Monate als Praktikantin. Während ihres Studiums Sozial- und Kommunikationswissenschaften sammelt sie hier praktische Erfahrungen im Bereich Kommunikation und trägt gleichzeitig dazu bei, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. 

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