29. Januar 2020

Was ist eine NGO?

Gemeinnützige Organisationen, die nicht von einer Regierung gelenkt werden (non-governmental), übernehmen viele verantwortungsvolle Aufgaben. Was ist der Anspruch von NGOs,  was erreichen sie und welche Bedeutung haben afrikanische NGOs?

Die Definition einer NGO leitet sich schon aus ihrer Bezeichnung ab: NGO steht für non-governmental organisation, also Nicht-Regierungsorganisation. Damit ist schon einmal klargestellt, dass diese Art von Institutionen nicht staatlich initiiert oder gelenkt sind. Die Bedeutung von NGOs besteht darin, dass sie Stellung in gesellschaftlichen Debatten beziehen. Sie verschaffen sich Gehör und bringen oft neue Perspektiven und Argumente ein. Gleichzeitig engagieren sie sich auch selbst für gesellschaftliche Veränderung. Dabei sind sie thematisch nicht festgelegt. Einige NGOs legen ihren Schwerpunkt etwa auf soziale Themen wie Armutsbekämpfung, andere auf ökologische oder den Tierschutz. Die formalen Vorgaben, die eine NGO erfüllen muss, sind von Land zu Land unterschiedlich.

Ins Blickfeld geraten ist die NGO Greenpeace Ende der 90er Jahre im Zusammenhang mit dem schwimmenden Riesenöltank Brent Spar. Der Betreiber wollte die unbrauchbar gewordene Plattform im Meer versenken. Umweltschützer von Greenpeace befürchteten eine erhebliche Verschmutzung des Meeres. Mit spektakulären Aktionen wandten sie sich gegen die Versenkung. Mit überwältigendem Erfolg: Laut einer EMNID-Umfrage wollten damals dreiviertel der Deutschen einem Boykott-Aufruf von Greenpeace gegen den Betreiber folgen. Die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel sprach sich öffentlich gegen die Versenkung der Plattform aus. Schließlich musste der Betreiber einlenken. Ein enormer Erfolg für Greenpeace und ein Paradebeispiel dafür, welche Macht NGOs entfalten können.

Es gibt eine Vielzahl von NGOs, die auch voneinander unabhängig sind. So decken sie verschiedene Themenfelder, Interessen und Meinungen ab. Sie leisten einen bedeutenden Beitrag für eine pluralistische Gesellschaft. Heute hören auch überstaatlichen Institutionen wie die Vereinten Nationen oder die Europäische Union Vertreter von NGOs zu verschiedenen Themen an oder arbeiten mit ihnen in Fachgremien zusammen.

 

„Effektiver Altruismus“: NGOs müssen sich beweisen

Den NGOs gegenüber steht eine interessierte Öffentlichkeit, die auf die Impulse der NGOs reagiert. Zum Beispiel: Eine NGO aus dem Bereich Umweltschutz bringt die Klimaveränderung ins Bewusstsein. Daraufhin steigen private Personen öfter vom Auto auf den Bus um. Manchmal reagieren Privatpersonen auch mit einer veränderten Entscheidung bei den nächsten Wahlen. Und manchmal sind sie so überzeugt vom Anliegen einer NGO, dass sie selbst aktiv werden wollen.

In diesem Zusammenhang ist in letzter Zeit immer öfter vom „effektiven Altruismus“ die Rede. Dieser Begriff aus der Moralphilosophie beschreibt den Anspruch junger Menschen der Generation Z, mit der größtmöglichen Wirksamkeit Gutes zu tun. Das kann zum Beispiel eine Geldspende an arme Menschen sein. Dabei wird im Verhältnis zum Spendenbetrag besonders viel Gutes erreicht. Da die Wirksamkeit beim effektiven Altruismus im Vordergrund steht, muss der Spender bestmögliche Informationen vernünftig abwägen. Wenn effektive Altruisten helfen, dann wegen belastbarer Fakten und nicht wegen berührender Fotos.

NGOs stellt das vor neue Herausforderungen: Um effektive Altruisten für ihre Sache zu gewinnen, müssen sie stärker als früher für Transparenz sorgen. Dazu gehört, dass sie ihre Arbeitsweise und Ergebnisse öffentlich machen. Ein belegbar schlanker Verwaltungsapparat und nachvollziehbare Hilfskonzepte wirken überzeugender als emotionale Bildkampagnen. Auch Regierungen und unabhängige Institutionen können unterstützen, indem sie formale Vorgaben für die Anerkennung von NGOs setzen. Effektive Altruisten erkennen dann an festen Standards, ob die NGO effektiv Gutes tut.

 

NGOs: Effektiv in der Entwicklungszusammenarbeit

Auch in Afrika spielen NGOs eine zunehmend wichtige Rolle, um Veränderungen anzustoßen. Dabei stehen oft die Entwicklung des ländlichen Raums, eine stärkere Stellung von Frauen und allgemein die Bekämpfung von Armut im Vordergrund. Eine afrikanische NGO aus dem Bereich Armutsbekämpfung ist die LATEK Stay Alliance in Uganda. Sie hat ihren Sitz in der ugandischen Hauptstadt Kampala und bündelt einheimische Kräfte, um neue Ideen für ein besseres Leben der Ärmsten auszuarbeiten. Dazu gehört zum Beispiel die Ausbildung von lokalen Gesundheitshelfern, die in den Dörfern für bessere hygienische und gesundheitliche Bedingungen sorgen. Oder die Entwicklung neuer Programme, mit denen Menschen lernen, eigenes Einkommen in der Landwirtschaft zu erzielen.

Die LATEK Stay Alliance ist eine staatlich anerkannte NGO. Unterstützt wird sie von Stay, einer Stiftung des bürgerlichen Rechts aus Stuttgart. Auch Stay hat den Charakter einer NGO: Sie ist unabhängig, verfolgt kein Gewinnziel und strebt eine Neuausrichtung der Zusammenarbeit mit Afrika an. Um den Anspruch nach Transparenz zu erfüllen, gibt Stay vertieften Einblick in die eigene Arbeit, so wie es die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) vorschlägt. Dazu gehören Angaben zur Mittelverwendung und zu Großspendern – alle diese Angaben sind auf der Website abrufbar.

 

Quelle Fakten: Christiane Frantz, Kerstin Martens: Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Peter Singer: Effektiver Altruismus. Eine Anleitung zum ethischen Leben

Coronavirus in Afrika: Hilfe ist dringend nötig

In Afrika kämpft ein ohnehin schwaches Gesundheitssystem gegen die Coronavirus-Pandemie. Die Bedrohung ist groß, doch es gibt auch Hoffnung.

Weiterlesen

Fünf gute Gründe Stay zu unterstützen!

Wer sich gegen Armut engagiert, sollte das mit Herz und mit Verstand tun. Hier sind 5 vernünftige Gründe, warum sich die Unterstützung von Stay lohnt. 

Weiterlesen

Wie Netzwerke die Armutsbekämpfung verändern

Kräftebündeln durch Vernetzung ist in der Wirtschaft ein bewährtes Rezept. In der Armutsbekämpfung ist es ein neuer Ansatz: Unternehmensnetzwerke in Afrika vereinen viele Weiterlesen

Autor

Andreas Kugler

Andreas Kugler arbeitet ehrenamtlich bei Stay und trägt dazu bei, dass die Stiftung und ihr neuer Weg in der Armutsbekämpfung immer bekannter werden.

 

Sieh alle Blogs von Andreas Kugler